Fliegen ohne Flugleiter – FoF

Fliegen ohne Flugleiter, kurz FoF, ist leider noch immer in Deutschland eine ebenso schwierige wie mehr oder weniger problematische Angelegenheit – und niemand weiß so recht genau, warum das eigentlich so ist.

Ein Beitag von Gregor Thamm

GregorThamm ist ein erfahrener IFR-Pilot und JAR-Fluglehrer. Nachfolgend seine Sicht zu dem verfahrenen Themenkreis, der ich uneingeschränkt zustimmen kann:Wir wissen alle, ohne Flugleiterpflicht wäre fliegen freizügiger, kostengünstiger und dabei keinesfalls unsicherer, da sind sich eigentlich alle einig! Gleichermaßen ist die Flugleiterpflicht in D. so, wie sie praktiziert wird, gesetzlich nicht vorgeschrieben. Warum wird sie dann nicht einfach abgeschafft? Klingt doch ganz leicht?…

Sie ist Vorschrift und Standard, weil VIELE gesetzliche bzw. ICAO-„Kann“-Einrichtungen von Anfang der privaten zivilen Luftfahrt in D. an als „Muss“-Bedingung für die Betriebsgenehmigung der Verkehrslandeplätze durch die zuständigen Länderbehörden gestellt wurde. Die Betonung liegt auf „Viele“, denn die Verkettung der Vorschriften und Verantwortlichkeiten macht in ihrer bürokratisierenden Wirkung jede Änderung so unermesslich schwer.

Wenn ich z.B. im Sommer um 21h loc als letzter seit Stunden noch „reinlanden“ will, kann ich weder den Platzhalter, noch die genehmigende Behörde anrufen, um eine Landemeldung zu machen oder mir eben die Aussenlandegenehmigung (ja, so traurig ist das) zu holen. Denn jeder in dieser Kette verweist auf den anderen, der „zuerst“ ja sagen müsste. Selbst, wenn beide einverstanden wären, wäre der administrative Aufwand, es durchzusetzen, immens.

Und ad hoc geht das sowieso nicht. In diesem Geflecht kann kaum einer den Stein ins rollen bringen, da er die anderen Zuständigen im Genehmigungsverfahren immer mitberücksichtigen muss. Und: bei wem fängt man an, wenn immer wieder auf die anderen verwiesen wird (die im übrigen teilweise kein Interesse am Abschaffen der FL-Pflicht haben). Und wenn der Platzhalter aus Service- und Kostengründen sein Personal doch anders organisieren will, droht sofort die Haftungsfrage (und viele andere juristische auch; dabei spielt es keine Rolle, ob berechtigt oder nicht, oft lässt sich das nicht einmal klären!!!) und er macht einen Rückzieher. Die Grundhaltung und Ausgangsposition „der PIC ist selbst verantwortlich“ (auf unkontrollierten Flugplätzen) zieht in D. einfach nicht.

Die Angst vor Verstößen beim Neuland betreten ist zu groß, da die vielen Einzelbausteine der Genehmigung und Haftung schwer überblickbar und schon gar nicht ohne weiteres neu zu regeln sind. Das soll nicht heißen, dass mit FL „alles geregelt“ ist, nur so ist es gewohnter (es gibt eben schon mal eine Betriebsgenehmigung): und, wer kennt nicht die Zwischenfälle, die mit Einwirkung von FL-Anweisungen eingetreten sind und wo dann hinterher das Geschreie groß war, wer denn jetzt verantwortlich war und wer zahlen soll usw.

Unter diesem Gesichtspunkt wird auch deutlicher, warum die Verantwortlichen bei der Frage -FoF oder nicht- völlig immun gegen die unzähligen Unbedenklichkeits-Beispiele aus dem Rest der Welt sind. Der flugbetriebliche Teil ist doch das geringste. Aber, dann gehts los, wer soll mit diesem Vorschriftenwust aufräumen, wer nimmt sich der Haftungsfragen an. Wie soll das alles neu geregelt werden? Ist es vielleicht schon ein Rechtsverstoß, Aktivitäten in diese Richtung zu unternehmen und irgendetwas zu gestatten oder nicht mehr zu fordern oder oder oder?… Natürlich kann man ohne FL fliegen, aber es ist halt gründlich verboten. Die operativen, flugbetrieblichen Fragen sind doch nur eine Stellvertreterdiskussion.

Die Strategie der AOPA, mit Mini-Schritten, Versuchs-/ Referenzflugplätzen, Erfahrungsberichten etc. das ganze ganz ganz langsam anzugehen erscheint zunächst wie Hohn, weil es doch eigentlich zum Himmel schreit und per Knopfdruck übernacht gelöst werden könnte. Es ist aber genau das richtige Vorgehen, um dieses eigenartige Geflecht von Vorschriften, Verantwortlichkeiten, Haftungsfragen und nicht zuletzt persönlichen Ängsten der Beteiligten vor Verantwortung (auch unter den PPL-isten gibt es solche, die auf den FL bestehen) aufzulösen.

Am Ende steht nämlich nur vordergründig das Ergebnis zur Diskussion, wie die Piloten mit der Umstellung zurecht gekommen sind. Jeder deutsche Pilot weiss, wie umsichtig er im Ausland auf nicht besetzten Plätzen operiert und Positionsmeldungen abgibt. Die wahre Frage wird sein: wie wurde es geschafft, Genehmigungsverfahren und Haftungsfragen neuzuregeln – und zwar so, dass sich alle beteiligten juristisch „mindestens sicherer“ fühlen als vorher!

So ernüchternd es auch klingen mag, das gebetsmühlenartige Wiederholen, wie sicher doch FoF sei, geht weitgehend ins Leere. Laßt uns über die Minischritte versuchen, den Betroffenen ihre (Haftungs-) Ängste zu nehmen und Neuregelungen einzuführen.

Gregor Thamm
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